Junge Fahranfänger sind
überdurchschnittlich häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Um das Unfallrisiko dieser Personengruppe
zu reduzieren, muss nach Ansicht von Verkehrsexperten die herkömmliche Führerscheinausbildung wesentlich
ergänzt werden. Wie das am besten geschehen soll, wird derzeit lebhaft diskutiert. Am 1. Januar 2004 startet,
zunächst als Modellversuch für sechs Jahre, die sogenannte „Zweite Ausbildungsstufe”. In
Konkurrenz dazu steht das von einigen Bundesländern favorisierte Modell „Begleitetes Fahren mit
17”. Hierfür wurde vom Bundesverkehrsministerium ebenfalls ein Versuch genehmigt, für dessen
Umsetzung jetzt die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.
Der ADAC begrüßt die Einführung einer zweiten Stufe der
Fahrausbildung. Danach werden Fahranfänger rund sechs Monate nach dem Führerscheinerwerb auch an einem
Fahrsicherheitstraining teilnehmen, wo sie in Theorie und Praxis das richtige Verhalten in Gefahrensituationen
üben. Nach Ansicht des ADAC wird dies zur Verbesserung der Unfallbilanz der 18- bis 25-jährigen
beitragen.
Der sogenannte Führerschein mit 17 ist aus ADAC-Sicht insgesamt
unzureichend, weil er sich lediglich darauf beschränkt, die Fahrpraxis zu erweitern. Außerdem reicht
die Aufsicht des Begleiters sicherlich nicht aus, um die höhere Risikodisposition eines
zu kompensieren, zumal
der Begleiter nicht in das Fahrgeschehen eingreifen kann. Außerdem wird je nach Inanspruchnahme des
„begleiteten Fahrens mit 17” die Risikogruppe der jungen Fahranfänger um einen mehr oder weniger
großen Teil der 17-jährigen vergrößert. Vor diesem Hintergrund muss sogar ein zumindest
vorübergehender Anstieg der Unfallrisiken von Fahranfängern befürchtet werden.
Ziel des Modells „Zweite Ausbildungsstufe” dagegen ist es,
mit gezielten, auf die Defizite von Fahranfängern zugeschnittenen Trainingsmaßnahmen, die
jugendspezifische Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung zu minimieren. Mit Hilfe der sogenannten
Gefahrenlehre werden sie dazu gebracht, riskante Situationen frühzeitig zu erahnen und damit zu vermeiden.
Praktische Übungen zeigen ihnen, wie sie ihr Fahrzeug beherrschen können, wenn sie trotzdem in eine
heikle Situation geraten.
Nach Auffassung des ADAC sollten auf Grund des unverändert weit
überdurchschnittlichen Unfallrisikos der Fahranfänger alle vernünftigen Vorschläge aufgegriffen
und ausprobiert werden. Sie sollten allerdings zielführend sein. Deshalb setzt sich der ADAC besonders
für die 2. Stufe der Fahrausbildung ein, mit dem Ziel, diese zur Pflicht zu machen. Er wird deswegen
bundesweit die fahrpraktische Fortbildung im Rahmen des Modellversuchs umsetzen.